Über das Glioblastom

Definition

Das Glioblastom („Glioblastoma multiforme“) ist ein aggressiver und bösartiger Hirntumor, der sich aus dem Stützgewebe des Gehirns, den Gliazellen, bildet. Das Glioblastom gehört zur Gruppe der sogenannten Gliome.

Verbreitung und Häufigkeit

  • In Europa erkranken jährlich etwa 3 Patient*innen pro 100.000 Menschen an einem Glioblastom (Inzidenz).
  • Diese Inzidenz ist eher gering, wenn man sie mit anderen Tumorerkrankungen vergleicht. Bei Erwachsenen ist das Glioblastom dennoch der aggressivste und am häufigsten auftretende hirneigene Hirntumor.
  • Männer sind etwas häufiger von einem Glioblastom betroffen als Frauen (im Verhältnis 1,6 zu 1). Vornehmlich erkranken Menschen im Alter von 55 bis 65 Jahren, es kann aber auch weitaus jüngere oder ältere Menschen treffen.
  • Bis dato kann man keine gesicherten Risikofaktoren für die Entstehung eines Glioblastom benennen.
  • Plötzliche epileptische Anfälle
  • Kopfschmerzen
  • Lähmungserscheinungen
  • Seh- und/oder Sprachstörungen
  • Schwindelgefühle
  • Gedächtnisstörungen bzw. -lücken
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Eine Sicherung der Diagnose erfolgt durch die Neuropathologie. Dafür wird bei einer Operation oder Biopsie eine Gewebeprobe entnommen. Diese wird eingeschickt und das Tumorgewebe wird analysiert. Nach der Einordnung des Tumors durch die genaue Gewebeuntersuchung kann auf Basis des Resultats eine weiterführende Therapie verlässlich geplant werden. Allein mit den genannten bildgebenden Untersuchungen ist diese spezielle Einordnung nicht möglich (vgl. https://www.glioblastom.de/operation/).

Dennoch spielen bildgebende Verfahren für die Diagnose, aber auch für den weiteren Verlauf der Erkrankung eine zentrale Rolle. Damit wird beispielsweise der Erfolg einer Operation oder das Anschlagen einer Strahlen- oder Chemotherapie über bildgebende Verfahren regelmäßig kontrolliert. Das erlaubt den behandelnden Ärzt:innen, Nebenwirkungen zu erfassen und ein Wiederkehren des Tumors frühzeitig zu erkennen.

  • Computertomografie (CT)

    Bei der Computertomografie (CT) handelt es sich um ein röntgenbasiertes Verfahren, das nahezu flächendeckend verfügbar ist. In kurzer Zeit werden dabei Aufnahmen vom Gehirn gemacht. Um die Sichtbarkeit des Tumors zu verbessern, wird ggf. ein Kontrastmittel gespritzt. Die Auflösung der Bilder ist jedoch bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) deutlich höher.

  • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie)

    Die Magnetresonanztomografie (MRT) oder Kernspintomografie ist heutzutage das Standardverfahren in der Bildgebung von Hirntumoren. Dafür werden mittels eines Magnetfelds und verschiedener Sequenzen unterschiedliche Aufnahmen vom Gehirn erzeugt. Diese Aufnahmen haben eine deutlich höhere Auflösung als die der CT, doch auch bei der MRT wird in aller Regel ein Kontrastmittel gespritzt, um mögliche Veränderungen noch besser darstellen zu können.

  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET)

    Bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) wird eine schwach radioaktiv markierte Aminosäure gespritzt. Anschließend wir die Verteilung der Aminosäure im Gehirn und Tumorgewebe gemessen. Die Aminosäure wird meist vermehrt von Tumorzellen aufgenommen, während das gesunde Hirngewebe diese nur in geringen Mengen oder nicht aufnimmt. Die Strahlenbelastung durch das Kontrastmittel ist bei diesem Verfahren sehr gering. Da die Herstellung und Lagerung des Kontrastmittels allerdings aufwendig sind, wird die Positronen-Emissions-Tomografie nicht routinemäßig durchgeführt. Man nutzt diese Untersuchung aktuell meist bei speziellen Fragestellungen oder wissenschaftlichen Studien.

  • Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring

    Das intraoperative neurophysiologische Monitoring dient der Überwachung während der Operation in Narkose, um z.B. keine motorischen Funktionen zu schädigen, aber auch während möglicher Tumorresektionen im Wachzustand (in erster Linie bei Läsionen im Bereich von Hirnarealen, die für Sprache zuständig sind).

  • Neuronavigation

    Die Neuronavigation verbessert die räumliche Orientierung für die Chirurg*innen. Dabei werden bestimmte Datensätze der MRT-Untersuchung in räumlichen Bezug zu den Patient*innen gesetzt. Somit entsteht eine visuelle Echtzeitdarstellung als computergestützte virtuelle Realität. Außerdem können auf diese Weise vorab Kartierungen der Motorik-und Sprachareale des Gehirns erstellt werden. Diese können zur Planung der Operation genutzt werden und erlauben es, während der Operation das Tumorgewebe besser vom gesunden Gewebe abzugrenzen.

  • Schnellschnittdiagnostik

    Während der Operation kann entnommenes Gewebe direkt an den/die Neuropatholog*in als sogenannte Schnellschnittuntersuchung geschickt werden. Die dadurch gewonnen Informationen können mitunter das operative Vorgehen beeinflussen. Bei dem Verfahren wird die Probe schockgefroren und ein Schnitt angefertigt, der mit einer einfachen Färbung untersucht wird. Das Ergebnis dieser Schnellschnittdiagnostik muss den Neurochirurg*innen zeitnah mitgeteilt werden. Eine endgültige Diagnose benötigt aber noch zusätzliche Informationen und kann deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht gestellt werden.

  • 5-ALA-Fluoreszenz-Bildgebung

    Zur Diagnostik und Lokalisation von Tumorresten wird häufig auch die sogenannte 5-ALA-Fluoreszenz-Bildgebung eingesetzt. Diese kann dem/der Operateur*in helfen, Tumorgewebe vom umliegenden Hirngewebe zu unterscheiden. Wenige Stunden vor der Operation muss dafür in Wasser gelöstes 5-ALA (5-Aminolävulinsäure) getrunken werden. 5-ALA kann sich in Tumorzellen ansammeln und während der Operation unter speziellem blauen Licht sichtbar gemacht werden.

Zentrales Ziel ist, neben dem Abtöten von Tumorzellen, gesundes Hirngewebe zu schonen. Beim Glioblastom wird die gesamte Strahlendosis meist über 30 kleinere Einzeldosen verteilt, damit das gesunde Gewebe nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Es gibt aber auch, gerade bei älteren Patient*innen, kürzere, sogenannte hypofraktionierte Bestrahlungsschemata. Hinzu kommt, dass die Bestrahlung so zielgenau wie möglich aus verschiedenen Richtungen mit unterschiedlichen Dosen durchgeführt wird. Für die genaue Planung und Umsetzung wird vorab eine Computertomografie oder Kernspintomografie durchgeführt. So wird die individuelle Abstimmung der Therapie auf jeden Patienten und jede Patientin gesichert.

Da die Bestrahlung eine lokale Behandlung ist, beschränken sich die Wirkung und die Nebenwirkungen auf die betroffene und bestrahlte Region. Zu den typischen Nebenwirkungen gehören Haarausfall und die mögliche vorübergehende Bildung eines Ödems. Ein Ödem entsteht, wenn sich durch absterbende Tumorzellen Schwellungen bilden. Dadurch können Kopfschmerzen auftreten. Mitunter verschlechtern sich durch ein Ödem auch neurologische Beschwerden vorübergehend. Zur kurzfristigen Verbesserung bei Beschwerden durch ein Ödem kann Kortison (Dexamethason) eingesetzt werden.

Temozolomid

Temozolomid gehört unter den Chemotherapeutika zu den sogenannten Alkylanzien. Mit Temozolomid kann die Erbinformation des Tumors (DNA) dauerhaft geschädigt und die DNA-Vervielfältigung behindert werden. Die Dosis wird anhand der Körperoberfläche der Patient*innen, die sich aus Körpergröße und -gewicht berechnet, bestimmt. Während der Strahlentherapie wird Temozolomid vom ersten bis zum letzten Strahlentherapietag eingenommen (auch am Wochenende). In der Phase danach wird die Chemotherapie an fünf von 28 Tagen eingenommen („Zyklus“), allerdings in einer höheren Dosis pro Tag. Bei der Chemotherapie mit Temozolomid treten meist keine oder nur geringe Nebenwirkungen auf, wodurch die Patient*innen in ihrem Alltag oft nur wenig eingeschränkt sind.

Sollten Nebenwirkungen auftreten, so handelt es sich am häufigsten um Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine Myelosuppression (Veränderungen des Blutbilds).

Wichtig ist, dass etwa 30 Minuten vor Einnahme von Temozolomid prophylaktisch ein Medikament gegen Übelkeit eingenommen wird. Treten dennoch Übelkeit oder Erbrechen auf, so kann diesen Begleiterscheinungen mit einer höheren Dosis des Medikaments gegen Übelkeit oder mit anderen Medikamenten entgegengewirkt werden. Während der Chemotherapiezyklen, also auch in der einnahmefreien Zeit, sollten regelmäßig das Blutbild (wöchentlich) und zusätzlich Leberwerte, Nierenwerte, Elektrolyte und Gerinnung (monatlich) kontrolliert werden. Beim Blutbild ist es wichtig, dass ein Differentialblutbild erstellt wird, also auch die Untergruppen der weißen Blutkörperchen mitbestimmt werden, um beispielsweise bei einer Myelosuppression richtig reagieren zu können.

Kombinationschemotherapie: Für einige Patient*innen kann es unter Umständen sinnvoll sein, dass mit einer Kombination aus Temozolomid und einem weiteren Chemotherapeutikum (CCNU, Lomustin) behandelt wird. Das kann dann diskutiert werden, wenn anhand des entnommenen Tumorgewebes eine sogenannte MGMT-Promotor-Methylierung nachgewiesen wurde. Diese Tumore sind mutmaßlich empfindlicher für eine alkylierende Chemotherapie. In einer im letzten Jahr publizierten Studie fanden sich Hinweise, dass diese Kombinationschemotherapie dieser Patientengruppe möglicherweise besser helfen kann.

Methylguanin-Methyltransferase

Methylguanin-Methyltransferase (MGMT) ist ein Reparaturmechanismus der Tumorzelle mit dem Ziel, Schäden am Tumor zu reparieren. Durch Strahlen- und alkylierende Chemotherapie werden an Tumorzellen Schäden verursacht, die zumindest teilweise mithilfe von MGMT vom Tumor wieder repariert werden. Liegt jedoch ein funktionsuntüchtiges MGMT (methyliertes MGMT) vor, ist die Therapie oft erfolgreicher, da Schäden an Tumorzellen nicht repariert werden können. Eine MGMT-Untersuchung kann daher eine Prognoseabschätzung und eine Vorhersage über das Ansprechen auf die Therapie ermöglichen. Das Resultat dieser Untersuchung beeinflusst möglicherweise auch die Entscheidung über die Therapie.

Patient*innen mit einem methylierten MGMT-Promotor haben statistisch eine bessere Prognose.

Zur Therapie gehört ein kleines tragbares Gerät, das die elektrischen Wechselfelder erzeugt. Dieses tragbare Gerät kann von den Patient*innen in einem Rucksack oder in einer Tasche mitgeführt werden. So bleiben die Patient*innen mobil und können während der Behandlung normalerweise einem Großteil ihrer Alltagsaktivitäten weiterhin nachgehen.

TTFields werden lokal an der Kopfhaut angewandt und zeigen daher keine bekannten zusätzlichen Nebenwirkungen, die den ganzen Körper betreffen. Während der Therapie kann es zum Auftreten von Hautirritationen unter den Keramik-Gelpads kommen, die sich aber meist mit entsprechenden Gegenmaßnahmen behandeln lassen. Die Therapie kann als zusätzliche Behandlungsmethode nach der kombinierten Strahlen- und Chemotherapie, zusammen mit der Erhaltungschemotherapie, eingesetzt werden.

Ziel ist es, neue Medikamente, neue Therapieansätze oder neue diagnostische Verfahren zu erforschen, in der Hoffnung, dadurch den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und die Prognose der Betroffenen zu verbessern. Dies geschieht nur mit dem Einverständnis der Patient*innen nach streng festgelegten Studienprotokollen. Die Sicherheit der Teilnehmer*innen muss zu jeder Zeit gewährleistet sein. Klinische Studien sind ein sehr wichtiges Instrument, die Glioblastomtherapie zu verbessern und sind gesetzlich zum Schutze der Patienten streng reguliert. Des Weiteren wird im Rahmen von klinischen Studien eine enge Betreuung geboten. Auch im Rezidivfall kann eine Teilnahme an klinischen Studien eine alternative Therapie sein, sollten an dem Punkt bereits alle „Standardtherapien“ ausgeschöpft sein. Nachteile können Behandlungen ohne Mehrwert und hinzukommende Nebenwirkungen sein.

Die Deutsche Krebsgesellschaft bietet eine Übersicht über zertifizierte neuroonkologische Zentren in Eurer Nähe, die Euch auch über aktuell laufende Studien Auskunft geben können. Darüber hinaus informiert die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (NOA) über ihre vergangene und laufende Studien zum Thema Glioblastom. Auch im Gespräch mit Euren behandelnden Ärzt*innen könnt ihr Euch über aktuell laufende Studien informieren, an denen ihr möglicherweise teilnehmen könnt.

Individuelle Heilversuche

Bei manchen Therapien ist die Datenlage noch unsicher, da diese wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht wurden. Dennoch besteht vereinzelt die Vermutung, dass die Behandlung z.B. mit ursprünglich nicht für die Krebstherapie angedachten Medikamenten mitunter Wirkung auf den Hirntumor haben könnte. In vielen Fällen können dadurch falsche Hoffnungen geweckt werden, die aufgrund der Datenlage nicht gerechtfertigt sind. Wenn immer möglich, sollten individuelle Ansätze im Rahmen repräsentativer Studien untersucht und angewandt werden. Solltet ihr also beispielsweise bei Eurer Recherche im Internet auf solche individuellen Heilversuche stoßen, raten wir Euch, diese immer kritisch zu hinterfragen. Ihr könnt darüber auch vertrauensvoll mit Euren behandelnden Ärzt*innen sprechen.